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Intoleranz und Ausverkauf der Moral
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Claire Z. kehrt nach vielen Jahren in ihren Heimatort Guellen zurueck. Sie wurde als junge Frau von ihrem Jugendfreund Alfred Ill geschwaengert und sitzengelassen. Durch die Intoleranz der Gesellschaft (=der Einwohner Guellens) wurde sie gezwungen, ihren Lebensunterhalt als Prostituierte zu verdienen. Durch glueckliche Fuegungen heiratete sie einen Milliardaer und verfuegt ueber dessen Vermoegen, als er stirbt. Zurueck in Guellen bietet sie den Einwohnern 1 Milliarde fuer den Tod Alfred Ills, um Gerechtigkeit zu erlangen. Lehnen die Einwohner es am Anfang noch ab, Claires Anliegen Folge zu leisten, wird im Verlaufe der Geschichte immer deutlicher, dass man dem Werben Claires auf Sicht nicht wird widerstehen koennen. Duerrematts Klassiker offenbart in vielerlei Hinsicht die Schwaechen der Menschen. Geld regiert die Welt und in letzter Konsequenz sogar Moral und Anstand. Claire, selbst Opfer der Intoleranz ihrer Umwelt, ist beseelt von dem Gedanken nach Rache und setzt Rache gleich mit Gerechtigkeit. Da sie ueber die finanziellen Mittel verfuegt, wird (ihre) Rache in den Stand von Gerechtigkeit erhoben. Die Einwohner, die seinerzeit in letzter Konsequenz durch ihre Intoleranz Claire in das gesellschaftliche Aus stiessen, sind bereit, ihre Moral und somit sich selbst an den/die erstbeste(n) zu verkaufen, der dafuer bezahlt. Eigentlich sind sie fuer das verantwortlich, was Claire seinerzeit widerfuhr, sie die eigentlichen Taeter. Nun werden sie im klassischen Sinne zu den eigentlichen Huren, die sich verkaufen, schlimmer noch, denn sie verkaufen nicht alleine ihren Koerper, sondern ihre Meinung, Auffassung, Moral ... sich selbst. Alfred Ill, der eigentliche Uebeltaeter, wird in diesem Umfeld aus Racheengel und Umfallern immer sympathischer. Ein Stueck Lebenswahrheit. Und moege sich kein Leser davon freisprechen, dass er in gleicher Situation nicht aehnlich gehandelt haette wie die Akteure. Ein Stueck Claire, Alfred und Guellener steckt in jedem von uns. Mehr oder weniger und ohne Ausnahme. Leider.
Eine Rezension von faustino888 > Tokyo
vom 5. März 2010 |